{"id":11651,"date":"2020-11-02T09:33:37","date_gmt":"2020-11-02T09:33:37","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=11651"},"modified":"2020-11-02T09:39:20","modified_gmt":"2020-11-02T09:39:20","slug":"schoepfen-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=11651","title":{"rendered":"sch\u00f6pfen"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-11652\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/20201101_103424-295x300.jpg\" alt=\"\" width=\"357\" height=\"363\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/20201101_103424-295x300.jpg 295w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/20201101_103424-768x780.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/11\/20201101_103424.jpg 806w\" sizes=\"auto, (max-width: 357px) 100vw, 357px\" \/><\/p>\n<h5>Wir hatten ja auch so um den Freitag herum geh\u00f6rt, dass am Samstag die Sonne scheinen sollte, wer will das verpassen, und fuhren sogar in die Stadt, wohl ahnend, dass sich dort ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung tummeln w\u00fcrde. Und wahrlich, es standen lange, vor ungewohntem Geduldszwang vibrierende Menschen vor hippen L\u00e4den, um dort noch W\u00fcnschenswertes zu sich zu holen, falls es nach dem neuen Lockdown nicht mehr da sein w\u00fcrde, oder jemand anderes h\u00e4tte es zu sich genommen, also weg von einem selbst. Wir hielten auch Ausschau und ich war froh, endlich zu dem Laden zu gelangen, in dem die Hoffnung auf praktische, wasserundurchl\u00e4ssige und trotzdem halbwegs elegante Winterstiefel in meinem Geist einen Anker geworfen hatte, aber siehe da!, er war gar nicht mehr da, der ber\u00fchmte Laden, wie kann das sein, das waren doch best of best shoes. Na ja, was soll&#8217;s, so als w\u00fcsste man nicht, dass alles vergeht, auch Schuhgesch\u00e4fte. Wir pilgerten ein bisschen weiter hinein in den gesch\u00e4ftigen Taumel. Irgendwo in der Mitte stand ein Ordnungsbeamter, aha, hier muss man sich verschleiern wegen der Vielzahl der Anwesenden, wenn man anwesend mit existenzberechtigt gleichsetzt. Auch ich morphte unauff\u00e4llig in meine pure Existenzberechtigung hinein und es war mir dadurch m\u00f6glich, das ungehemmte Nichts der W\u00fcnschbarkeit durch mich hindurchstr\u00f6men zu lassen, ich hatte ja keine Wahl, es war \u00fcberall. Mein Blick rangelte sich hoch zu einer Wand,\u00a0 wo mit gro\u00dfen, bunten Lettern der umwerfende Satz stand:<strong><em> Kauf dich gl\u00fccklich<\/em>.<\/strong>\u00a0 Kursiv gedruckt macht er sich noch besser, das schlichte Verf\u00fchrungsmantra, mit dem bereits ganze Kulturen ins Nichts bef\u00f6rdert wurden. Aber wenn das Nichts nun einmal wirklich da ist, dann ist ja auch das, was man unter Kultur versteht, nicht mehr da. Trotzdem geht es weiter und lebt von seinen und ihren \u00dcberraschungsausbr\u00fcchen. Von den Orgien des Staunenswerten, von der stillen Denkakrobatik und von der F\u00e4higkeit, den Schalter auf &#8218;autonom&#8216; zu stellen, um selbst im Angesicht des Unertr\u00e4glichen das Tragbare einsch\u00e4tzen zu lernen, wozu man die Freiheit des Handelns ben\u00f6tigt. Das Einfache hat eigene Wege, zum Vorschein zu kommen, wo es seine Leuchtkraft entfalten kann, wenn es das m\u00f6chte. Und gl\u00fccklich von einem gelungenen Einkauf zur\u00fcck zu kommen, das kennt doch jede\/r, das ist auch nochmal was anderes als sich gl\u00fccklich kaufen. Fein ist die Linie zwischen den Dingen, und nicht immer kann man die Henne mit dem Ei in einen Topf werfen. Das m\u00f6chte ich jetzt wieder r\u00fcckg\u00e4ngig machen, wenn&#8217;s noch geht, nehme also die Henne noch mal raus und das Ei auch und werfe sie eben nicht in einen Topf, sondern sie k\u00f6nnen hingehen, wo sie m\u00f6chten. Dann standen noch in der N\u00e4he des Ordnungsbeamten zwei im \u00fcblichen Harley Davidson Alter Outfit sich befindende M\u00e4nner auf ihren Maschinen mit laut vor sich hinbrausenden Motoren. Diesselben M\u00e4nner, diesmal auf Royal Enfields, kenne ich aus Indien. Sie kommen\u00a0 aus aller Herren L\u00e4nder als Tausendlinge immer im selben Alter mit denselben Haaren und demselben Bart an einem vorbei und man ahnt jenseits des Bewusstseinsvorgangs, dass sie sich richtig m\u00e4chtig f\u00fchlen und zweifelsfrei wissen, dass jedes Auge neidisch an ihrer Manifestation h\u00e4ngen muss. Nat\u00fcrlich gibt es noch Schlupfl\u00f6cher, wo man dem M\u00fcssen und D\u00fcrfen entkommen kann, aber niemand wei\u00df, wie lange das noch dauert, weil es gerade das Nichtwissen selbst ist, dass sich virenm\u00e4\u00dfig ausbreitet. Und man kann davon ausgehen, dass das Vorher, falls es das wirklich gab, in einem Nachher, wenn das folgte, einfach verschwunden ist, und da sitzen wir nun mit den paar Erlaubten herum und k\u00f6nnen aus dem Vollen sch\u00f6pfen. Oder etwa nicht?<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir hatten ja auch so um den Freitag herum geh\u00f6rt, dass am Samstag die Sonne scheinen sollte, wer will das verpassen, und fuhren sogar in die Stadt, wohl ahnend, dass sich dort ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung tummeln w\u00fcrde. 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