{"id":11605,"date":"2020-10-28T09:17:08","date_gmt":"2020-10-28T09:17:08","guid":{"rendered":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=11605"},"modified":"2020-10-28T09:38:28","modified_gmt":"2020-10-28T09:38:28","slug":"einsam","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/yoganauten.de\/?p=11605","title":{"rendered":"einsam"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-11606\" src=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/20201028_092124-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"362\" height=\"362\" srcset=\"http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/20201028_092124-300x300.jpg 300w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/20201028_092124-150x150.jpg 150w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/20201028_092124-768x771.jpg 768w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/20201028_092124-365x365.jpg 365w, http:\/\/yoganauten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/10\/20201028_092124-500x500.jpg 500w\" sizes=\"auto, (max-width: 362px) 100vw, 362px\" \/><\/p>\n<h5>Einsam, sagte der Sprecher, w\u00fcrde es im November werden, wegen der aufkommenden Ma\u00dfnahmen. Weil man nicht so zueinander kommen kann, wie man gern m\u00f6chte? Oder auf einmal merkt man das sogar wegen dem unheimlichen Virus. Dabei ist die Einsamkeit im November doch schon vorher jedem bekannt gewesen: alles vergeht unaufh\u00f6rlich und sinkt in ungeahnte Tiefen, wo es wieder darauf ankommt, was man damit macht. Ob man sie kennt, die unwegbaren Schluchten, die Laterne in der Hand, unaufhaltsam auf den dunkelsten aller vorstellbaren Flecken zugehend, hypnotisch angezogen vom Ungewissen, und wissen wollend, was da ist, und ob man es tats\u00e4chlich selbst sein k\u00f6nnte, man selbst als W\u00fcste und Steppensand, alles enthalten im Samen. Ein Same eben, der einen in verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig sicherer Umgebung hervorgebracht hat, zum eigenen Erstaunen vortrefflich geeignet. Wer bist du, Fremdling, und aus welcher Ein-Samkeit bist du hervorgekommen oder hast dich (auch) unter schwierigsten Turbulenzen hervorgestrampelt und bist immerhin angekommen, um hier mitzumachen. Dar\u00fcber bin ich sehr froh, denn das Wort &#8218;Einsamkeit&#8216; erf\u00fcllt mich mit gro\u00dfer W\u00e4rme und Z\u00e4rtlichkeit, so gut war sie zu mir. Dann hatte ich das Gl\u00fcck, dass schon ganz fr\u00fch meine jugendlichen Finger nach dem &#8218;Zarathustra&#8216; griffen, den konnte ich gut verstehen, den Weltenwanderer, der Liebe bringen wollte zu den Menschen, unterwegs mit seinem Adler, seiner Schlange. Deswegen hie\u00df auch der Adler, den ich damals in Kathmandu auf der Stra\u00dfe einem H\u00e4ndler abgekauft hatte, Zarathustra. Und nat\u00fcrlich kann ich noch das Nachtlied auswendig, so ein vertrautes Gef\u00fchl kann man auch Liebe nennen, wenn man es kann. Den Zarathustra habe ich dann weiterziehen lassen k\u00f6nnen, schon weil der Meister selbst an seinem Helden zerbrach, bzw an sich selbst, das sieht man ungern ein, aber man muss. Doch in der Einsamkeit des Novembers kann man ruhig die Worte vor sich hinmurmeln &#8218;O Mensch, gib acht! Es spricht die tiefe Mitternacht. Aus tiefem Traum bin ich erwacht&#8230;Aus tiefem Traum ist er erwacht! Und es stimmt auch heute noch, dass die Welt tief ist, und ihr Weh tief ist. Tief ist ihr Weh. Einsamkeit kann um die K\u00f6pfe aller Menschen herumschweben wie die Einsamkeitsgeister, die man gerufen hat und nicht mehr wei\u00df, wie man sie los wird. In der Ehe, in der Freundschaft, in der Schule, in der Pandemie. Angenehm ist die Einsamkeit, wenn sie nicht vollgepackt ist mit Angst und Gef\u00fchlsk\u00e4lte, das braucht dann eher praktische Medizin und Zuwendung. Ansonsten kann man sich darin aufhalten wie die K\u00f6nigin der Steppe und der Sandk\u00f6rner. Die Einsamkeit ist weiblich, das finde ich angebracht. Poetinnen konnten hier durchatmen und ihren Eigenschaften und Eingebungen Raum verschaffen, ohne von patriarchaler Weltsicht heimgesucht zu werden. F\u00fcr den Glanz der Einsamkeit muss man geeignet sein. Der Weg in diese kreative Leere, eingetaucht in Bedeutungslosigkeit und doch erkennbar in unwiderruflicher Einzigartigkeit. Das ist auch einsam, sich selbst zu sein. Gro\u00dfz\u00fcgig und mit Freude teilt man sich mit, damit das, was verbindet, zustande kommt. Ein Hoch auf die Einsamkeit!<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einsam, sagte der Sprecher, w\u00fcrde es im November werden, wegen der aufkommenden Ma\u00dfnahmen. Weil man nicht so zueinander kommen kann, wie man gern m\u00f6chte? Oder auf einmal merkt man das sogar wegen dem unheimlichen Virus. 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