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Manchmal erschließt sich einem ein Wort, das man schon lange kennt, aufs Neue, und man kann die einst gemeinten Ursprünge erkennen, wo etwas beleuchtet werden konnte, was bis dahin im Dunkel des Unausgedrückten lag. Es gibt in jeder Zeit neue Worte, über die man die Veränderungen des Ablaufs erkennen kann, wie zum Beispiel das Wort ‚muten‘, das Martenstein in seiner letzten Zeit Magazin Kolumne erwähnt hat, und das ’stummschalten‘ heißt. Gerade weil die ganze Menschheit sich  über die Medien ausdrückt und selbst die niedrigste Form davon noch ihre Netze hemmungslos ausbreiten kann, freut man sich über die Möglichkeit des Stummschaltens. Auch hier kann es interessant werden beim Rückzug, wenn ich den Inhalt meiner inneren Welt durchwandere und mit dem ganzen Material umgehen muss, es sortieren, es reflektieren, es verwerfen, es ordnen. Vor allem, solange der Überblick noch möglich ist, denn nichts geht über eine gute Verdauung. Auch geistig erschafft die gute Verdauung zwar keine Garantie, aber doch eine gewisse Ruhe und Raumfreiheit. Deswegen muss man auch so sorgfältig wählen, was einen betrifft und was mit einem zu tun hat, denn d a s, was zutiefst mit einem zu tun hat, das kann man dann auch tun, und man kann es auch einen Ruf nennen, mit dem man sich selbst zu sich hinlockt, wo doch der einzige Ort ist, von dem aus man die Dinge verstehen kann. Und nur von diesem Ort aus kann man ‚wahrnehmen‘, ein Wort, das mir heute auffiel, und seine Unterschiedlichkeit zu ‚beobachten‘. Es kann ja nie die letzte Wahrheit sein, die man in sich erspürt und nach außen trägt, aber es ist das einzige Aktionsfeld, von dem aus man die persönliche Sicht in die Weite führen kann. Je mehr Nähe zu sich, desto weiter die Sicht und die Möglichkeit, das Wahre vom Unwahren unterscheiden zu können. Es ist ja stets als das Einfache vermittelt worden, eben zu sehen, wie es ist, worauf die Frage folgt: wie ist es denn? Kann ich es für mich beantworten, auch wenn ich mich immer mal wieder in die 10 000 Widersprüche verwickle, so, als müsste der Widerspruch sich lösen und zu einer greifbaren Einheit werden. Das duale Prinzip hat seine eindeutige Funktion im Weltendrama, und nur geistig ist das Innehalten möglich, und auch das nicht ohne Training. Von Aurobindo, einem indischen Weisen, habe ich mal gelesen, dass sein Lehrer ihm zur Flutbändigung der Gedanken empfohlen hat, sich drei Tage und Nächte nur in den Zwischenräumen der Worte aufzuhalten, oder was auch immer seine Technik war, auf jeden Fall das Denken zu muten. Er hat behauptet, dadurch zu sich gekommen zu sein, wenn man das missverständliche Wort ‚erleuchtet‘ mit ‚zu sich kommen‘ gleichsetzt. Wo soll man sonst sein, könnte jemand fragen, doch hier sind wir im Unüberprüfbaren. Und dann wiederum doch nicht, denn wenn die Monade ein Tor hat oder eine weiträumige Dachterasse, und wenn Freunde da sind, die merken, wenn man nicht bei sich ist und einen darauf aufmerksam machen können, das ist schon ziemlich gut. Wollten wir nicht alle wissen, was das nun wirklich ist, ein gutes Leben, und jede Ebene der vielen Phasen erweitert die Symphonie um ein paar Noten. Wenn man sich also selbst wahrnimmt, das kann auch den Anderen nicht wirklich schaden.


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