wachträumen


Der Flug des Ungewissen ins Ungewisse

Der in meinem Kopf rotierende Satz passte dann eigentlich perfekt auf den Traum, den ich hatte und an den ich mich erstaunlicherweise bzw. trotz ungeübter Weise erinnern kann, denn er drückte ganz offensichtlich den ungewissen Flug nach Indien aus, der dieses Jahr immer unwahrscheinlicher wird. Im Traum konnte ich auf einem dunklen Feld keinen Gepäckwagen ergattern, fühlte mich verspätet dadurch in der Zeit, und wo war mein Pass, und dann drängelte ich mich in einer langen Menschenmenge voran an den Schalter, um dort zu erfahren, dass der Flug erst am Abend ist, und wo waren die Anderen usw., also da war nun wirklich wenig gewiss, aber genau in diesem Traum dachte ich ‚das kann kein Traum sein, dazu ist es zu real‘. Das muss ich dann doch selbst mal den Königsweg nennen, auch wenn mir die königlichen Geheimnisse des Geträumten noch nicht alle erschlossen sind, aber immerhin war ich schon bei den dunklen Gewässern des Urgrundes und konnte mich schon ein paarmal selbst aus Gefangenschaften befreien. Ich weiß, dass nur ich das mal sagen möchte. Und tatsächlich habe ich heute früh vom gerade nicht amtierenden Priester aus dem (Krishna) Tempel (meines indischen Dorfes) eine Mail erhalten und ein Photo mit Mundschutz. Die WhatsApp Verbindung entstand durch viele Gespräche, die wir am Rande des heiliggesprochenen Sees geführt haben, oft auch über Narendra Modi und eher die Gottesfrage vermeidend. Grundsätzlich ist es den Hindus eh egal, an welchen Gott man glaubt, Hauptsache, da ist was über einem, das mehr weiß als man selbst und Schutz bietet, wenn man den braucht. Und was man noch so alles von diesem Prinzip will, dessen vielfältiger Inhalt hinunterblättert bis in die Lehmhütten. Und von dem wollte ich mich vor ein paar Monaten aus freiem Bewusstsein heraus langsam aber sicher verabschieden, ja, ein tiefes Adieu zu Dieu und seinen Verehrern und Angestellten, oder vielleicht noch im rechten Moment, bevor der letzte Schleier fällt und das Goldene Kalb sich durchsetzt und zum Wahrzeichen der globalen Ausbeutung wird, an der wir alle still und heimlich teilnehmen. Und nun haben wir auf einmal ganz ähnliches Glück und ganz ähnliche Sorgen. Einerseits das am Feuer hergestellte Fladenbrot mit der leckeren Gemüsebeilage (Chapati und Sabzi), und das gute Glas Wein, alles in Maßen, und das warmherzige Miteinander, da ist man schnell bei dem, was so jemand wie Sokrates vielleicht  königlich genannt hätte, oder Epikur, der ja auch manchmal geschlemmt haben soll, wer weiß schon, was jede/r wirklich so tat. Deswegen sind wir ja hier, damit wir wissen, wie wir es tun, und die Anderen, wie die es tun, und wie das geht, damit dabei keine/r zu Schaden kommt. Das ist vielleicht nicht der letzte Schritt und Schrei, aber vielleicht ist es doch viel, viel mehr als wir dachten. Der Priester bestätigte auch, dass alle Tempel in Indien zur Zeit geschlossen sind. Wenn das kein himmlisches Zeichen ist!

 


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