verbrauchen

Nicht, dass ich es geistig anregend finden könnte, über die Machenschaften der Fleischindustrie weiterhin zu kontemplieren, aber heute habe ich unterwegs im Radio mal wieder so einen Satz gehört, der einem das Mark erschüttern könnte, nochmal also das Mark erschüttern lassen wegen Tatsachen, die man eigentlich kennt, sich deswegen schon als ohnmächtig bekannt hat inmitten der Sachlage, und trotzdem gibt es Erschütterungen, die einem immerhin ermöglichen, d e m etwas näher zu kommen, was innen drinnen in einem selbst passiert. Ein Landwirt vermittelt der Moderatorin seine Besorgnis, dass die Schweine im Tönnies-Betrieb, der ja gerade lahmgelegt ist, zum Glück in eine andere (Tönnies) Schlachterei transportiert werden können, um dort zu der nötigen Wurst zu werden, die die Verbraucher anfordern. Auch die Kleinen kommen ja ständig hinterher, sagt er, das gut funkionierende Rad kann man doch nicht einfach aufhalten. „Die Tiere werden ja schließlich geboren, um die Nahrungskette zu gewährleisten“, erklärt er. Ich habe mich von dieser Art Aussage  schon einmal erschüttern lassen, Als ich einmal nach vielen Jahren Indienaufenthalt in den Westen zurückkehrte, fand ich vorübergehend Arbeit in einer Kleiderfirma. Die Frau aus der Pelzabteilung bot mir einen gut bezahlten Job an, den ich leider ablehnen musste, da ich mir das nicht vorstellen konnte. Aber hören Sie mal, meinte sie erstaunt, die Tiere werden doch ausschließlich gezüchtet, um Pelzmäntel zu werden. Das kam mir ungeheuerlich vor. Aber könnte man gedanklich, wenn schon da angekommen, nicht noch weiter gehen und sagen: der Mensch wird vor allem herangezüchtet, damit er die Wirtschaft aufrechterhält. Das meinte ja auch der Landwirt im Sinn, dass die Gesellschaft, die wir gemeinsam gebastelt haben, ja bedient werden muss, da kann man nicht einfach ein Rädchen aus der Maschine nehmen. Da gerade ziemlich viele Rädchen sich nicht mehr drehen, behält man den Gedanken für sich, dass ein Zusammenbruch der Wirtschaft durchaus vorstellbar ist. Man lässt einfach mal die Widerstandschiene  los und lässt zusammenbrechen, was unvermeidbar ist. Das ist nicht schön, das ist nicht gut, das erschafft eine Menge Probleme, und das weltweit. Aber es ist auch kein Krieg, an dessen Ende Trümmerfrauen die Resultate der menschlichen Entgrenzung in ein halbwegs Lebbares zusammenzufügen bemüht und gezwungen sind, bis wieder Männer nachkommen mit ähnlichen Triebfedern. Aber dass ein Tier ins Leben gebracht wird, um ein Pelzmantel zu werden, ist schon abartig, und vielleicht sieht man deswegen auch weniger herumlaufen. In der Zeit meiner Mutter hatte jede Frau zumindest einen Pelzmantel. Auch sagte der Landwirt, man könne die (täglich 60 000 getöteten) Schweine auch nicht länger leben lassen, weil sie dann zu fett würden und dem Maß des Verbrauchers nicht mehr gerecht, der will sein Schmitzel unter 2cm haben. Ich bin weder im Tierschutzverein, noch muss mein Gegenüber unbedingt Vegetarier werden. Aber wenn bestimmte Entwicklungen uns dazu aufrufen, mal selber etwas tiefer über die Dinge nachzudenken, auch wenn sie nicht das poetische Feld berühren, sondern eher mit einer politischen und menschlichen Positionierung zu tun haben im Sinne: woran will ich mich selbst beteiligen und wann wird es wesentlich, mich nicht nur als ein hilfloses Rädchen im Getriebe der Entscheider zu sehen, sondern Stellung zu beziehen, die auch mit wesentlichen Entscheidungen verbunden sein kann. Muss nicht, kann aber.

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